BBS ohne 11

Juli 2020

Die Berufsbildende Schule des Landkreises verabschiedet 11 KollegInnen. Eine Würdigung.

In Anlehnung an die amerikanische Dichterin Gertrude Stein: „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, ist man bei den jährlich an Schulen stattfindenden „KollegInnen-Abschieds-Ritualen“ geneigt zu sagen: „Ein Verabschiedung ist eine Verabschiedung ist eine Verabschiedung.“ Doch niemals traf diese Aussage weniger zu als in diesem Jahr. Denn in Corona Zeiten ist alles ein wenig anders. Sehr zum Nachteil der zukünftigen PensionärInnen, aber auch zum Leidwesen aller KollegInnen und SchülerInnen, die es sich nur ungern haben nehmen lassen die „alten Fahrensmänner und -frauen“ gebührend zu verabschieden und mit ihnen zu feiern.
11 KollegInnen verlassen mit dem Ende dieses Schuljahres die BBS des Landkreises. 11 Kolleginnen, von denen nicht wenige mehrere Jahrzehnte an der BBS tätig gewesen sind und das Schulleben auf ihre jeweils ganz eigene Weise mit geprägt haben. 11 KollegInnen, für die zeitnah adäquaten Ersatz zu finden, ein nicht ganz einfaches Unterfangen werden dürfte. Und wie jeder der zu Verabschiedenden seine ganz speziellen Spuren hinterlassen wird, so wird sich auch jeder Schüler/jede Schülerin, jeder Kollege/jede Kollegin auf jeweils eigene Weise an die zukünftigen Ehemaligen erinnern.

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Obere Reihe von links: Sylvia Trimbach, Renate Vollberg, Evelyne Graupner.
Mittlere Reihe von links: Michael Kreutzer, Gerd Larscheid, Gerald Endrich.
Untere Reihe von links: Renate Schütz, Theresa Münch, Annette Gilles.
Es fehlen: Michael Klein und Frank Stoos.

Theresa Münch wirkte zwei Jahre auf einer befristeten Stelle als Sozialpädagogin an der BBS. Ihre frische und offene Art hinterließ nachhaltig Eindruck. Als Berufseinsteigerin und ehemalige Schülerin waren ihr die Sorgen und Nöte junger Menschen durchaus vertraut. Münch war sehr aktiv, immer für die Schülerinnen und Schüler da, hatte stets gute, konstruktive Ideen und war eine große Bereicherung für das Schulleben.
Dies trifft auch auf Rechtsanwalt Michael Klein zu. Er war seit 1990 bei den und für die angehenden Rechtsanwaltsfachangestellten (RFA) an der BBS tätig. Mehrmalig befristet wurde sein Beschäftigungsverhältnis 1993 unbefristet verlängert. Zum Wohle der BBS. Er entsprach nicht dem Bild, das man sich klassischer- und wohl auch fälschlicherweise von Juristen im Allgemeinen und Anwälten im Besonderen macht. Unkonventionell im Auftreten, fachlich kompetent und den SchülerInnen in hohem Maße zugewandt, erfreute er sich an der BBS großer Beliebtheit. Schaffte er es doch vermeintlich trockenen Inhalte anschaulich, lebensnah und kurzweilig zu vermitteln.
Da mit Beginn des kommenden Schuljahres keine RFA‘s mehr an der BBS ausgebildet werden, endet auch Kleins Einsatz. Seine erfrischende Art wird fehlen.
Studienrat Frank Michael Stoos kam mit Beginn des Schuljahres 1998/99 an die BBS und unterrichtete VWL, BWL und Datenverarbeitung. Eingesetzt in kaufmännischen Berufsschulklassen und in Berufsfachschulen wussten viele Schülerinnen und Schüler seine mitmenschliche Art zu schätzen. Im April 2020 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Im Sommer 2018 kam Studienrätin Annette Gilles aus Baden-Württemberg ins schöne Ahrtal. Aus familiären Gründen wechselt sie mit Beginn des kommenden Schuljahres an die BBS Lahnstein. Während ihres zweijährigen Intermezzos an der BBS hat sie sich gewissenhaft für die Belange und Bedürfnisse der ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Die Kolleginnen und Kollegen wissen dies zu schätzen.

Auch die Fachlehrerinnen für Bürowirtschaft, Renate Vollberg und Sylvia Trimbach, werden zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand verabschiedet. Die beiden Lehrerinnen waren gleichsam die beiden Seiten ein und derselben Medaille namens „Textverarbeitung/ Bürokommunikation“. Generationen von Schülerinnen und Schülern führten sie in die Geheimnisse des „Maschinen-Schreibens“, der Textverarbeitung und Bürowirtschaft ein. Ihr Fach illustriert sowohl die Veränderungen, denen sich Schule immer wieder stellen muss (von der Schreibmaschine über die EDV zum World Wide Web) als auch die Konstanten: Zur Vermittlung von Wissen bedarf es engagierter, motivierter Pädagoginnen mit der Bereitschaft Veränderungen mitzugestalten und die Schülerinnen und Schüler daran aktiv teilhaben zu lassen. Auch die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler mit den Jahren weniger in der Lage oder Willens waren sich auf das Fach „Textverarbeitung“ einzulassen, ließ ihr Engagement nicht erkalten. Den beiden war eines nämlich immer bewusst: Diejenigen unter den SchülerInnen, die die notwendige Bereitschaft und das entsprechende Interesse mitbrachten, konnten in besonderen Maße von der alten lateinischen Weisheit profitieren: Non Scholae, sed vitae discimus! (Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!)
Trimbach kam 1993 auf eigenen Wunsch von der BBS Koblenz-Wirtschaft an die BBS des Landkreises. Textverarbeitung und Bürowirtschaft waren ihre inhaltlichen Schwerpunkte. Ihre kooperative um ein harmonisches Miteinander bemühte Unterrichtsweise fand schon in eine frühe dienstliche Beurteilung Eingang, ebenso ihr Engagement, das sich bis in die Gegenwart fortsetzte. SchülerInnen und KollegInnen danken es ihr.
Renate Vollberg war eine Kämpferin. Seit 1982 (!) an der BBS, erst als Referendarin, dann, ab Oktober 85, als Beamtin auf Lebenszeit und Fachlehrerin mbA für Bürowirtschaft, hatte sie sich immer wieder gesundheitlichen Herausforderungen zu stellen. Ihrem nachgerade preußischen Pflichtbewusstsein ist es zu verdanken, dass sich Vollberg trotz wiederkehrender Rückschläge bis zum Ende dieses Schuljahres dem Dienst, der Bildung und ihren Schülerinnen und Schülern verpflichtet fühlte. Ihren Ruhestand hat sie sich wohl verdient.

39 Jahre im Dienst der beruflichen Bildung. Wer kann das schon von sich behaupten? Die Antwort: Oberstudienrätin Renate Schütz! Seit 1981 unterrichtete die Lehrerin für Nahrungstechnologie und Wirtschaftslehre an der BBS Ahrweiler, vorzugsweise in Hotel- und Restaurantfachklassen. Sie nahm ihre Schülerinnen und Schüler an und ihre Fächer ernst. Dies zeigen sowohl die von ihr absolvierten freiwilligen Berufspraktika im Fleischer- und Bäckerhandwerk und in der Gastronomie, als auch die zahlreichen fachbezogenen Fortbildungen, die sie im Laufe ihres Schullebens besuchte. Ihr Ziel: Unterricht auf der Höhe der Zeit, nah am beruflichen Alltag ihrer Auszubildenden. Diese schätzten ihre freundliche und Schüler zugewandte Art und ihre fachliche Kompetenz. Unzählige Abschlussjahrgänge wissen dies auch noch Jahre nach Bestehen ihrer jeweiligen Prüfungen zu würdigen. Nach fast 40 Jahren an der BBS, davon fast 29 Jahre als Oberstudienrätin, verabschiedet sie sich nun in den Ruhestand.

Wer an der BBS an den Fachbereich der FriseurInnen denkt, denkt an Evelyne Graupner. Wer an Evelyne Graupner denkt, denkt gleichsam automatisch auch an die angehenden FriseurInnen. Das ein Fachbereich und eine Pädagogin eine solche Symbiose (Symbiose = Lebensgemeinschaft zum beiderseitigen Nutzen) eingehen, war und ist außergewöhnlich.
1983 begann sie als Referendarin für die Fächer Gesundheits- und Körperpflege sowie Englisch an der BBS. 1996 erfolgte die Beförderung zur Oberstudienrätin, 2009 feierte sie ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Evelyne Graupner liebte „ihre FriseurInnen“. Sie unterrichtete nicht nur in allen berufsbezogenen Lernfeldern, und dies mit einem Engagement, einem Enthusiasmus und einem Fachwissen, das seinesgleichen sucht, sondern war gleichsam eine Art Mutter für ihre Schützlinge. Sie schätzte sie wert, war für sie da, konnte milde aber auch streng sein und setzte sich in jeder schulischen Lebenslage für sie ein. Auch zu den Ausbildungsbetrieben hielt sie engen Kontakt, wissend: Eine gute Berufsausbildung gelingt nur mit und niemals gegen die Ausbildungsbetriebe. Nach nun mehr 37 Jahren verlässt sie die Berufsbildende Schule. Für Ihre Kolleginnen, für die Betriebe, vor allem aber für ihrer Schülerinnen und Schüler eine Zeitenwende. Sie hinterlässt große Fußstapfen.

Bei Oberstudienrat Michael Kreutzer weiß man nicht, wo anfangen, wo aufhören. Es fängt schon mit dem Zeitraum seines Wirkens an der BBS an: 41, in Worten einundvierzig, Jahre. Es gibt aktuell niemanden, der länger an der BBS unterrichtet. Dabei erfasst das Wort „unterrichten“ nicht annähernd die Bandbreite seines pädagogischen Wirkens. Begonnen hat er als Referendar mit den Fächern „Elektrotechnik“ und „Wirtschaftslehre“. Direkt nach Ende des Referendariats wurde er bereits als Lehrervertreter in den Prüfungsausschuss der Elektroinnung berufen. Und die Tatsache, dass er diesen Posten noch bis zum Jahre 2022 innehaben wird, zeigt die hohe Wertschätzung, welche er nicht zuletzt bei den Betrieben der Elektroinnung genießt.
Parallel zu seiner Lehrertätigkeit erwarb Kreutzer schon in jungen Jahren die Fakultas im Fach Sport und nahm an unzähligen Fortbildungen in den Bereichen Medien und Musik teil. Die auf diese Weise ermöglichte Einsatzbreite in den unterschiedlichsten Fächern und Schulformen gilt als unerreicht. Neben seinem Faible für Technik – in seiner Freizeit fliegt Kreutzer mit Begeisterung Propellermaschinen und Hubschrauber - ist aber vor allem die Musik seine Leidenschaft. Nicht wenigen angehenden ErzieherInnen brachte Kreutzer in den vergangenen Jahren das Gitarre spielen bei und die Musik näher. Und es waren vor allem die von ihm mit Gestalteten und maßgeblich geprägten Musikbeiträge, welche zahllose schulische Veranstaltungen zu einem stimmungsvollen Erlebnis für die Ohren werden ließen. Dabei verstand er es geschickt SchülerInnen und LehrerInnen zusammen zu bringen, in einer Weise wie dies wohl nur Sport und Musik vermögen. Seine unaufgeregte und, im besten Sinne, coole Art tat dabei ihr Übriges. Es fällt schwer sich eine BBS ohne Kreutzer vorzustellen.
Letzteres gilt ebenso für die beiden noch verbleibenden Abgänger und Pensionäre in spe: Oberstudienrat Gerald Endrich und Studiendirektor Gerd Larscheid.

Der unüberhörbare Franke, Gerald Endrich, begann sein pädagogisches Wirken im Ahrtal als Studienrat zur Anstellung mit den Fächern Sozialkunde, BWL und VWL. Er war viele Jahre „das Gesicht“ des Fachbereichs „Sozialkunde, Wirtschaftslehre“, was unter anderem seine langjährige Tätigkeit als Fachkonferenzleiter dokumentiert. Gerald Endrich war bei Kolleginnen und Kollegen, sowie bei Schülerinnen und Schülern gleicher- und über die Maßen beliebt. Nie hörte man ein böses Wort über ihn, im Gegenteil: Alle, vor allem aber seine SchülerInnen schätzen sein authentisches pädagogisches Engagement, seine menschliche Wärme und seine natürliche Autorität. Als politisch nicht nur interessierter, sondern jenseits der Schule auch sehr umtriebiger und engagierter Mensch – Jugendschöffe, Sozialdemokrat, ehrenamtlicher Fußballtrainer und Betreuer, AWO-Ehrenämtler – war und ist Endrich ein Pädagoge aus Berufung. Dabei war ihm das große Ganze in Politik und Gesellschaft als Hintergrund seines pädagogischen Arbeitens genauso wichtig wie jeder einzelne Schüler, wie jede einzelne Schülerin. Seine ruhige, hintergründig humorvolle, von breitem Fachwissen getragene, dem Menschen zugewandte Art machte ihn ebenso unverwechselbar wie sein Eintreten für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Kaum eine politische Diskussion im Lehrerzimmer konnte ohne Endrich stattfinden. Er hatte immer etwas zu sagen, war aber niemals ein Schwätzer. Eine Eigenschaft, die, so scheint es zumindest dem Autor dieser Zeilen, immer seltener wird. Nicht nur seine ehemaligen Schüler, in den letzten Jahren in erster Linie die angehenden Rechtsanwaltsfachangestellten und Bürokaufleute, auch seine KollegInnen werden Endrich vermissen. Das Vorrecht, bei der alljährlichen Weihnachtsfeier das Buffet zu eröffnen, wird er aber, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu entnehmen ist, auch fürderhin in Anspruch nehmen dürfen.

Es bleibt: Studiendirektor Gerd Larscheid. Wenn es den Fachterminus „graue Eminenz“ in der Soziologie nicht schon gäbe, für Larscheid hätte man ihn erfinden müssen. Der in den letzten beiden Jahrzehnten zum engeren Kreis der Schulleitung gehörende Larscheid (Studiendirektor bei der Schulleitung seit 2000) war keiner den es in den Vordergrund drängte. Und dennoch ist sein Beitrag zur inhaltlichen und strukturellen Ausrichtung der BBS nicht hoch genug einzuschätzen. Es war zweifelsohne Larscheid, der die Bedeutung, die Möglichkeiten und die Risiken der EDV, der Informatik, der medialen Vernetzung, des World Wide Web, kurz, der Digitalisierung als einer der ersten in ihrer Bedeutung und Dimension erkannt hat und eine entsprechende Ausrichtung der BBS forcierte. Zusammen mit nicht minder engagierten Kolleginnen und Kollegen öffnete er die BBS schon früh für das digitale Zeitalter. Die gute Ausstattung der Schule mit Hard- und Software ist zuvorderst sein Verdienst. Dem Autor dieser Zeilen kommt bei dem Gedanken an Gerd Larscheid unweigerlich die Figur des Mr. Spock aus dem Star Trek Universum in den Sinn. Wer je mit Larscheid diskutiert hat, kann dies sicher bestätigen. Bestechend stringent und logisch argumentierend, ausgestattet mit einem unglaublich breit gefächerten Wissen, welches über seine Fächer, VWL, BWL, Informatik und Sport, weit hinausreicht, nutzte Larscheid seinen über die Jahre wachsenden Einfluss als Teil der Schulleitung um auch dicke schulorganisatorische Bretter zu bohren.
Larscheid wusste, was er wollte und was er wollte war nie Selbstzweck oder Ausdruck einer wie auch immer gearteten Eitelkeit, sondern stand stets im Dienst der Organisation Schule, der Kolleginnen und Kollegen, der Schülerinnen und Schüler. Es war Larscheid, der schon früh auf den Einsatz einer modernen Schul- und Verwaltungssoftware setzte und tatkräftig dabei mithalf diese weiterzuentwickeln, zu verbessern und Fehler auszumerzen. Ein Larscheid lässt und ließ nie locker. Dabei war ihm, dem Freizeit- und Hobbysportler, auch das Körperliche nie fremd. Ohne seinen Einsatz gäbe es mit Sicherheit keine schuleigene Kletterwand. Er, hier trifft die gerne verwendete pädagogische Floskel tatsächlich zu, „förderte und forderte“ seine Kolleginnen und Kollegen ebenso wie seine Schülerinnen und Schüler. Aber niemals mit „Schaum vor dem Mund“, sondern mit Ruhe, Hartnäckigkeit und aus innerer Überzeugung. Dabei war er keineswegs unnahbar, sondern ein vielseitig interessierter, interessanter und humorvoller Gesprächspartner, mit dem sich auch trefflich diskutieren ließ. Vorausgesetzt man hatte Gerd „the Brain“ Larscheid etwas entgegenzusetzen.
Dass Larscheids Fähigkeiten und Talente schon zu Anfang seiner schulischen Karriere erkannt wurden, fassen Aussagen aus einer frühen dienstlichen Beurteilung treffend zusammen: „Initiativ und ideenreich, selbstständig handelnd, starkem Arbeitsanfall gewachsen, führt er Arbeiten rationell und zielstrebig durch und zeigt Bereitschaft, seinen Teil an Verantwortung zu übernehmen.“ Dieser Charakterisierung wurde Gerd Larscheid mehr als gerecht.

Michael Sauer-Beus für BBS Pressedienst

 

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3. Auflage, Februar 2019

 

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