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Sechs auf einen Streich

Update 01.08.2018: Impressionen von der Verabschiedung >>>

 

Die BBS des Ahrkreises verabschiedet fünf Kollegen und eine Kollegin

 

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Von links: Schulleiterin Gundi Kontakis, Walter Zuber, Werner Beckmann, Inge Clauß, Jürgen Riske und Günther Bach.

 

Kreisstadt. Christian Henke, Inge Clauß, Jürgen Riske, Günther Bach, Werner Beckmann und Walter Zuber. An einer Grundschule wäre das ein halbes Kollegium. Und auch an der BBS ist der Abschied von sechs Kollegen nicht einfach zu verkraften. Zumal, wenn sie, wie etwa Walter Zuber, 40 Jahre an der größten Schule des Kreises wirkten. Aber der Reihe nach:
StR. Christian Henke wirkte fast 10 Jahre an der BBS und unterrichtete Bautechnik und Sozialkunde. Als gelernter Straßenbauer wusste er um die Sorgen und Nöte seiner Azubis. Mit seiner ruhigen, im besten Sinne „coolen“ und doch äußerst motivierenden Art unterrichtete er sich schnell in die Herzen seiner Schüler und Kollegen. Ihm konnte kein angehender Maurer ein X für ein U vormachen. Die praktische Fundierung seiner theoretischen Kenntnisse und seine „menschliche, empathische Art“ kamen an und ließen ihn innerhalb kürzester Zeit zu einem äußerst beliebten Kollegen werden. Die Tatsache, dass er der BBS nach einem Jahrzehnt aus familiären Gründen den Rücken kehrt, ist genauso verständlich wie schade.
Der Marathon Mann, Oberstudienrat (OStR) Jürgen Riske, wirkt im Sommer 2018 mehr als drei Jahrzehnte an der BBS.

Der Ahrkreis war ihm Heimat - Riske stammt aus und lebt in Dernau - und pädagogische Herausforderung gleichermaßen. Als Referendar für die Fächer Deutsch und Sport kam er 1987 an die größte Schule des Kreises und wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen und verlässlichen Mitglied des Kollegiums. 31 Jahre unterrichtete er Vollzeit- und Berufsschulklassen in seinen Fächern, gerne in Deutsch, seine Liebe aber galt dem Sport. Und hier verstand er es, immer wieder Generationen von Schülern für sportliche Aktivitäten zu begeistern, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass Sport zwar wichtig, aber de facto nicht jedermanns Sache ist. Und dass Riske selbst begeisterter Sportler ist, zeigt sich etwa an der Tatsache, dass er vor einigen Jahren eine ganze Woche Unterricht „vorarbeitete“, um sich einen Jugendtraum zu erfüllen: Die Teilnahme am New York Marathon. Oder in seiner aktiven Teilnahme am „StrongManRun“ auf dem Nührburgring vor wenigen Wochen zusammen mit vier Kollegen (https://swrmediathek.de/player.htm?show=fe3c7540-6362-11e8-9c74-005056a12b4c). Ein Satz aus einer dienstlichen Beurteilung Riskes aus den 90iger Jahren fasst seine bis heute durchgehaltene Berufsauffassung aufs Trefflichste zusammen: „Deine Arbeitsgesinnung ist gewissenhaft und gründlich, dein Arbeitsverhalten von energischen Einsatz geprägt und im Hinblick auf Fleiß bedarfst du keiner Ermahnung.“ Chapeau!

Auch „Madame Abendschule“, Oberstudienrätin Inge Clauß, gehört, wie die meisten der zum Schuljahresende verabschiedeten Kolleginnen und Kollegen, gleichsam zum lebenden Inventar der BBS. 35 Jahre im Dienste der beruflichen Bildung. Ihre positive, stets freundliche, humorvolle, den Schülerinnen und Schülern, wie Kollegen zugewandte Art, machte sie zu einer allseits beliebten Lehrerin. Die Fachschule für Bürokommunikation war ihr „Baby“ und sie war stets darauf bedacht ihren Fortbestand zu sichern. Als Fachkonferenzleiterin „Deutsch“ sorgte sie viel Jahre für das reibungslose Funktionieren des Fachbereichs. Man hatte bei Inge Clauß stets den Eindruck, sie war mit sich und ihrer beruflichen Tätigkeit im Reinen. Sie war ganz offensichtlich gerne Lehrerin und dies spiegelte sich auch in den von ihr unterrichteten Klassen wider.

Walter Zuber (OStR) gehört zum erlauchten Kreis der „Vierzigjährigen“. Im Frühjahr 2018 konnte der passionierte Sport- und Metalltechniklehrer auf eine 40jährige Lehrertätigkeit zurückblicken. Unzählige Berufsschüler aus dem Fachbereich „Metall“ sah er kommen und gehen.
Und diese wussten, was sie an ihm hatten: Ausgeglichen, kenntnisreich, ruhig und freundlich, wusste er um die Sorgen und Nöte „seiner“ Metaller, hatte er doch selbst in grauer Vorzeit eine Lehre als Industriemechaniker absolviert.
Als langjährigem Leiter der Fachkonferenz „Sport“ war es ihm wichtig, dass der Schulsport den Stellenwert erfährt, der ihm nach Meinung der meisten Pädagogen auch zusteht. Dazu gehörte für Zuber eine adäquate Ausstattung der Sporthalle als Grundvoraussetzung für guten Schulsport. Und genau dafür setzte er sich immer wieder nachhaltig ein. Denn er machte sich die Erkenntnis der alten Lateiner zu eigen: „Mens sana in corpore sano“. In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.

Er verkörpert den Ahrkreis wie kein zweiter. Er war von 1989 bis 2004 Ortsvorsteher von Nierendorf. Neben der Schule war (und ist) die Lokalpolitik sein Leben. Und dennoch ist es ihm gelungen, seine schulische Tätigkeit darunter nie leiden zu lassen. Er verkörpert gleichsam die Symbiose aus Pädagogik und Politik, und das zum Wohle der Schülerinnen und Schüler der beruflichen Bildung und der Menschen im Ahrkreis bzw. in Nierendorf. Die Rede ist von Oberstudienrat Günther Bach. Er war und ist ein Unikum. Ein Vollblutpädagoge, der weit über 30 Jahre  kaufmännische Berufsschul- und Vollzeitklassen in die Geheimnisse der Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre einführte. Engagiert, liebenswert, an den Herausforderungen und Begebenheit des Alltags orientiert, nahm er die Schülerinnen an- und ernst und bereitete sie immer wieder engagiert und punktgenau auf die unterschiedlichen Prüfungen vor. Dabei ließ er es sich nicht nehmen en passant seine lokalpolitischen Erfahrungen ins Unterrichtsgeschehen zu integrieren, ohne daraus, und das muss an dieser Stelle konstatiert werden, parteipolitisch Kapital zu schlagen bzw. die Schülerinnen und Schüler auf unlautere Weise zu beeinflussen. Nur Günther Bach schaffte es weltpolitische Konfliktlagen in der Nierendorfer Lokalpolitik adäquat zu spiegeln. Er erkannte früher als manch anderer die Risiken und Chancen der Digitalisierung und hatte großen Anteil an einer frühen, zeitgemäßen Ausstattung der BBS mit Hard- und Software.

Zu guter Letzt: Oberstudienrat Werner Beckmann.
Es gibt gute Lehrer, es gibt durchschnittliche Lehrer, es gibt sehr gute Lehrer und es gibt solche, die scheinen für diesen Beruf geboren. Ein solcher Pädagoge  war und ist Werner Beckmann. Er unterrichtete 28 Jahre lang Englisch und Deutsch an der BBS und nur wenige Lehrer erfreuten sich während ihrer gesamten Dienstzeit einer solchen Beliebtheit. Nun ist Beliebtheit per se kein pädagogisches Kriterium und der geneigte Leser mag sich jetzt vielleicht denken: „Na, dann wird er möglicherweise einfachen Unterricht gemacht haben.“ Will sagen: Beliebtheit auf Kosten der Leistung. Aber das Gegenteil war der Fall. Beckmann beherrschte die Gabe sich auf die jeweilige Schülerklientel adäquat einzustellen, den Schülern gleichsam nahe zu sein, ohne sich ihnen anzubiedern. Er konnte für Unterrichtsinhalte begeistern, sich aber auch von neuen, schülernahen Themen begeistern lassen. Vielseitig interessiert verfügte er über profunde Kenntnisse aus den unterschiedlichsten Wissensbereichen, so dass er seinen Unterricht abwechslungsreich und an den Lebens- und Berufswelten der Schüler orientiert, gestalten konnte. „Der Beckmann, der ist ihn Ordnung“ hörte man in jeder Klasse, in der er unterrichtete. Oder: „Herr Beckmann, haben wir Sie auch nächstes Jahr wieder im Unterricht?“. Diese Frage wird für die Zukunft leider zu verneinen sein.
Beckmann, der in seiner Person Ernsthaftigkeit, Humor und Spaß am Unterrichten vereinte hinterlässt, wie auch die übrigen oben genannten Pädagogen, große Fußstapfen. Für die Nachfolger an der BBS, Ansporn und Herausforderung zugleich.

Michael Sauer-Beus für BBS Pressedienst

 

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